Deutschlands Ladesäulen stehen meistens still
Ein öffentlicher Ladepunkt ist im Wochenschnitt 12,6 % der Zeit belegt. Selbst in der am stärksten nachgefragten Stunde der Woche sind noch 78,1 % frei. Das Problem am Laden ist also nicht die schiere Menge – sondern dass niemand dir sagt, welcher Punkt jetzt gerade frei ist. Und dass ein erheblicher Teil der Säulen seinen Zustand überhaupt nicht meldet.
Wann ist wirklich etwas frei?
Der Tagesverlauf ist überraschend gleichmäßig: ein flacher Vormittagsanstieg, ein breites Mittagsplateau, der Abend fällt langsam ab. Nachts zwischen 2 und 5 Uhr liegt die Belegung noch bei 6,5 %. Ob dort um vier Uhr morgens wirklich geladen wird oder nur ein fertiges Auto steht, lässt sich aus den Daten nicht sagen: Die Feeds melden in beiden Fällen „besetzt".
Zahlen als Tabelle
| Tag | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Montag | 7 | 6 | 6 | 6 | 6 | 6 | 7 | 10 | 15 | 18 | 20 | 20 | 20 | 19 | 18 | 17 | 17 | 16 | 16 | 14 | 13 | 10 | 9 | 8 |
| Dienstag | 7 | 7 | 7 | 6 | 6 | 7 | 7 | 9 | 14 | 17 | 19 | 19 | 19 | 18 | 17 | 16 | 16 | 16 | 16 | 15 | 13 | 11 | 9 | 8 |
| Mittwoch | 8 | 7 | 7 | 7 | 6 | 7 | 7 | 10 | 14 | 17 | 19 | 19 | 19 | 18 | 17 | 17 | 16 | 16 | 16 | 15 | 13 | 11 | 9 | 8 |
| Donnerstag | 8 | 7 | 7 | 7 | 7 | 7 | 7 | 10 | 14 | 17 | 19 | 19 | 19 | 19 | 18 | 17 | 17 | 17 | 17 | 15 | 14 | 11 | 10 | 9 |
| Freitag | 8 | 8 | 7 | 7 | 7 | 7 | 8 | 11 | 17 | 20 | 22 | 22 | 21 | 20 | 19 | 19 | 18 | 18 | 17 | 16 | 14 | 12 | 10 | 9 |
| Samstag | 8 | 7 | 7 | 6 | 6 | 6 | 7 | 8 | 10 | 13 | 17 | 19 | 20 | 20 | 19 | 19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 13 | 11 | 9 | 8 |
| Sonntag | 7 | 7 | 6 | 6 | 6 | 6 | 6 | 7 | 8 | 10 | 14 | 16 | 17 | 18 | 17 | 17 | 17 | 16 | 15 | 13 | 11 | 9 | 8 | 7 |
Die Lücke, über die niemand redet
Eine Säule mit drei Steckern lädt selten drei Autos. Viele teilen ihre Leistung, physisch nutzbar sind dann zwei. Wir messen das, statt es den Datenblättern zu glauben: Wir beobachten, wie viele Ladepunkte einer Station je gleichzeitig belegt waren. Ergebnis: 26,0 % der Ladepunkte an Stationen mit belastbarer Messung können nicht gleichzeitig laden. Wer Ladepunkte zählt, zählt also zu hoch.
Dazu kommt das Meldeproblem: 22,2 % der Ladepunkte haben im Messfenster keinen einzigen Statuswechsel gesendet. Manche Feeds melden stur „frei", auch wenn seit Wochen niemand geladen hat. Solche Punkte zeigen wir als unbekannt statt als frei – und genau deshalb liegen unsere Belegungswerte unter dem, was ein naives Auszählen ergäbe.
- Bremen 36,2
- Niedersachsen 27,8
- Sachsen 26,6
- Mecklenburg-Vorpommern 25,7
- Baden-Württemberg 24,1
- Nordrhein-Westfalen 23,7
- Bayern 22,6
- Thüringen 20,6
Hohe Werte heißen nicht „schlechte Säulen", sondern „schlechte Datenlage" – meist liegt es am Betreiber-Feed, nicht an der Technik.
Wo die Säulen am stärksten gebraucht werden
Zwischen den Bundesländern liegt fast ein Faktor zwei. Was dahintersteckt, zeigen diese Zahlen allein nicht: Hohe Belegung kann viel Nachfrage heißen, zu wenig Kapazität – oder eine Standortmischung mit vielen Straßenladepunkten, an denen Autos lange stehen. Die Aufschlüsselung nach Nutzungsfall kommt mit dem Thema Versorgung.
- Hamburg 21,1
- Berlin 18,9
- Baden-Württemberg 13,9
- Hessen 13,5
- Bayern 12,2
- Nordrhein-Westfalen 11,9
- Schleswig-Holstein 11,8
- Niedersachsen 10,9
- Sachsen 10,5
- Brandenburg 10,4
- Rheinland-Pfalz 10,1
- Sachsen-Anhalt 10,0
- Bremen 9,3
- Saarland 9,3
- Mecklenburg-Vorpommern 9,1
- Thüringen 8,6
Die zehn am stärksten belegten Kreise
- Frankfurt am Main 21,9
- Hamburg 21,1
- Köln 21,0
- Potsdam 20,5
- Bamberg (Stadt) 20,2
- Stuttgart 20,1
- Offenbach am Main 19,6
- Nürnberg 19,3
- Berlin 18,9
- Trier 18,9
… und die zehn entspanntesten
- Uckermark 5,6
- Görlitz 5,7
- Straubing-Bogen 5,7
- Haßberge 5,7
- Saale-Orla-Kreis 6,1
- Kaiserslautern 6,2
- Schweinfurt 6,3
- St. Wendel 6,4
- Zwickau 6,5
- Wolfenbüttel 6,5
Nur Kreise mit mindestens 100 auswertbaren Ladepunkten. In sehr kleinen Kreisen – der kleinste hat 12 – würde ein einzelner Dauerparker den Wert um Prozentpunkte verschieben.
Alle 400 Kreise einzeln: Belegung nach Gebiet.
Betreiber im Vergleich
Der Belegungsgrad sagt nichts über die Qualität eines Betreibers – ein voller Ladepark kann gut gewählt sein, ein leerer schlecht gelegen. Interessant ist die Spannweite: Sie reicht von Schnellladeparks an der Autobahn, die sich stündlich leeren, bis zu Straßenladepunkten in Innenstädten, an denen Autos über Nacht stehen.
- EnBW 12,6
- Tesla 12,7
- EWE Go 10,5
- E.ON 12,6
- Pfalzwerke 6,9
- Hamburger Energiewerke 28,2
- Lidl 7,6
- Allego 12,8
- eze.network 20,4
- Shell 6,4
- Qwello 27,5
- Getec mobility solutions 7,6
- TotalEnergies 9,3
- Vattenfall 10,7
Was als Nächstes kommt
Ladekunde wächst in vier Richtungen. Belegung und Zuverlässigkeit stehen, die anderen drei folgen:
- Belegung & Zuverlässigkeit – da sind wir
Wann ist frei, was ist gestört, was meldet gar nichts. - Versorgung & weiße Flecken
E-Autos je Ladepunkt im Kreisvergleich, Entfernung zum nächsten Schnelllader als Karte. - Preise
Was die Kilowattstunde wo kostet – und wie sich die Ad-hoc-Preise entwickeln. - Hochlauf-Tempo
Wächst das Netz schneller als der Bestand an E-Autos? Mit den Daten von KBA und NOW.
Woher die Zahlen kommen
Alles auf dieser Seite ist eigene Messung, keine Übernahme fremder Statistik. Wir zeichnen die Status-Feeds der Ladesäulenbetreiber fortlaufend auf und verdichten sie zu einem Wochenprofil je Ladepunkt. Drei Regeln halten die Zahlen ehrlich:
- Von „belegt" aus rechnen, nie von „frei". Belegt-Meldungen sind verlässlich, Frei-Meldungen nicht. Freie Plätze ergeben sich als Kapazität minus belegte Punkte – so kann nie mehr frei sein, als physisch existiert.
- Feed-Ausfälle erkennen und ausblenden. Wenn ein Anbieter nur noch einen Bruchteil seiner üblichen Statuswechsel meldet, werten wir diesen Zeitraum nicht aus, statt eingefrorene „frei"-Meldungen als freie Säule zu zählen.
- Kapazität messen, nicht glauben. Wie viele Punkte einer Station gleichzeitig laden können, ermitteln wir aus der höchsten je beobachteten Gleichzeitigkeit.
Stand der Auswertung: 2.10.2026. Messfenster: die jeweils letzten vier Wochen. Details in der Methodik.