Methodik
Diese Seite erklärt, wie jede Zahl entsteht und wo sie an ihre Grenzen kommt. Wir halten das bewusst ausführlich: Ladeinfrastruktur-Statistiken werden oft ohne Angabe des Verfahrens veröffentlicht, und gerade bei Belegung und Verfügbarkeit entscheidet das Verfahren über das Ergebnis.
Woher die Rohdaten kommen
Wir fragen die Status-Feeds der Ladesäulenbetreiber fortlaufend ab und speichern jede Zustandsänderung je Ladepunkt. Aus diesem Verlauf entsteht ein Wochenprofil: für jede der 168 Wochenstunden der Anteil der Zeit, in dem ein Ladepunkt belegt, gestört oder ohne Daten war. Das Messfenster sind die jeweils letzten vier Wochen, das Profil wird laufend neu gerechnet.
Die Stammdaten der Ladepunkte (Standort, Leistung, Steckertypen) stammen aus dem Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur und aus den Feeds selbst. Die Zuordnung zu Landkreisen erfolgt über die Koordinaten, nicht über die Postleitzahl – Postleitzahlgebiete überschreiten Kreisgrenzen. Dafür nutzen wir OpenStreetMap-Daten über einen eigenen Geocoder; Kreise und Bundesländer folgen dem amtlichen Gemeindeschlüssel (400 Kreise).
Die drei Regeln, die die Zahlen ehrlich halten
1. Von „belegt" aus rechnen, nie von „frei"
Belegt-Meldungen sind verlässlich: Wenn ein Betreiber „besetzt" meldet, lädt dort fast immer jemand. Frei-Meldungen sind es nicht – sie sind der Standardzustand vieler Feeds und bleiben auch stehen, wenn die Säule abgeschaltet, zugeparkt oder nachts gesperrt ist. Wir rechnen deshalb freie Plätze als Kapazität minus belegte Punkte. So kann rechnerisch nie mehr frei sein, als physisch existiert.
2. Feed-Ausfälle erkennen und ausblenden
Fällt die Datenlieferung eines Anbieters aus, friert der letzte Zustand ein – oft „frei", manchmal über Tage. Wir vergleichen deshalb je Anbieter und Stunde die Zahl der Statuswechsel mit dem üblichen Wert derselben Tagesstunde. Sinkt sie auf einen Bruchteil, gilt dieser Zeitraum als „keine Aussage" statt als „war frei". Ohne diese Regel wären einzelne Betreiber systematisch zu frei dargestellt.
3. Kapazität messen, nicht glauben
Wie viele Ladepunkte einer Station gleichzeitig laden können, steht in keinem Datensatz. Eine Säule mit drei Steckern teilt oft ihre Leistung, nutzbar sind dann zwei. Wir ermitteln die Kapazität daher empirisch: die höchste Zahl gleichzeitig belegter Punkte, die wir an dieser Station je beobachtet haben. Das ist eine Untergrenze – an schwach genutzten Stationen kann die echte Kapazität höher liegen. Wo wir nie eine Belegung gesehen haben, fallen wir auf die Stammdaten zurück und kennzeichnen das.
Was wir nicht wissen
- Nicht jeder Ladepunkt meldet. Ein erheblicher Teil liefert im Messfenster keinen einzigen Statuswechsel. Diese Punkte gehen nicht in Belegungswerte ein – sie würden sonst als dauerhaft frei durchschlagen. Wir weisen ihren Anteil separat aus, weil er selbst eine Aussage ist.
- Öffnungszeiten sind nicht überall tagesgenau bekannt. Viele Supermarkt-Standorte sind nachts gesperrt, melden aber weiter „frei". Wo Zeitpläne vorliegen, blenden wir solche Stunden aus; wo sie fehlen, kann die Nachtbelegung zu niedrig erscheinen.
- Belegung ist nicht Qualität. Ein hoher Wert kann gute Lage oder zu wenig Kapazität bedeuten, ein niedriger gute Versorgung oder einen schlechten Standort. Wir interpretieren Ranglisten deshalb zurückhaltend.
- Blockieren und Laden sind nicht unterscheidbar. Ein Feed meldet „besetzt", egal ob Strom fließt oder ein fertiges Auto steht. Die hohe Nachtbelegung in Innenstädten ist daher überwiegend Parken, nicht Laden.
Die Kennzahlen im Einzelnen
- Belegungsgrad nachts (2–5 Uhr) in %
- Belegungsgrad in den Stunden 2 bis 5 – zeigt, wie viel Dauerparken/Blockieren im Bestand steckt.
- Belegungsgrad im Wochenschnitt in %
- Anteil der Zeit, in dem ein Ladepunkt belegt war – Mittel über alle 168 Wochenstunden und alle auswertbaren Ladepunkte. Grundlage: eigene Statusaufzeichnung der Betreiber-Feeds.
- Belegungsgrad zur Spitzenstunde in %
- Höchster Belegungsgrad über die 168 Wochenstunden – die am stärksten nachgefragte Stunde der Woche.
- nicht gleichzeitig nutzbare Ladepunkte in %
- Anteil der Ladepunkte, die laut Messung nicht gleichzeitig laden können (z. B. weil eine Säule ihre Leistung zwischen zwei Steckern teilt). Gemessen als höchste je gleichzeitig beobachtete Belegung pro Station, verglichen mit der Zahl der Ladepunkte.
- gleichzeitig nutzbare Ladepunkte je Station in Anzahl
- Durchschnittlich gleichzeitig nutzbare Ladepunkte pro Station (gemessen, nicht laut Datenblatt).
- auswertbare Ladepunkte in Anzahl
- Ladepunkte mit mindestens 10 Statuswechseln im Beobachtungsfenster.
- Ladepunkte ohne Statusmeldung in %
- Anteil der Ladepunkte, die im Beobachtungsfenster keinen einzigen Statuswechsel gemeldet haben – ihr Zustand ist faktisch unbekannt, auch wenn ein Feed formal 'frei' sendet.
- Störungsanteil in %
- Anteil der Zeit, in dem ein Ladepunkt als gestört/außer Betrieb gemeldet war.
Quellen und Lizenzen
| Quelle | Herausgeber | Lizenz | Rhythmus | Zuletzt |
|---|---|---|---|---|
| Eigene Statusaufzeichnung der Betreiber-Feeds (Laternenparker) | Laternenparker / Ladekunde | eigene Erhebung | woechentlich | 2.10.2026 |
Korrekturen
Wenn eine Zahl hier falsch ist, wollen wir das wissen und schreiben es dann auch dazu. Betreiber, die einen Wert für ihre Standorte nicht nachvollziehen können, erreichen uns über das Impressum.